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NGZ vom 03. Januar 2006:

 Altardienstleister


Von Sebastian Peters

Rund 400 000 Jugendliche in Deutschland sind es, viele deutsche Promis waren es: Das Messdieneramt boomt auch in den Stadtdekanaten des Rhein-Kreises . Ein Besuch bei Anne-Christine Heckhausen, Gruppenleiterin bei den „Minis“ von St. Cyriakus Grimlinghausen .



Sie sind Messdiener in Grimlinghausen: (oben v. l.) Matthias und Carsten Remblod, Felix Koch, Anne-Christine Heckhausen, (vorne l.): Lena Ritzkat, Verena Maag und Annika Mayer

„Wenn ihr zusammenkommt, trägt jeder etwas bei: einer einen Psalm, ein anderer eine Lehre, der dritte eine Offenbarung; einer redet in Zungen, ein anderer deutet es. Alles geschehe so, dass es aufbaut. (1 Kor 14,26)“ „Was die da vorne machen, sieht ja ganz spannend aus.“

So hat es angefangen bei Anne-Christine Heckhausen aus Grimlinghausen. Die heute 17-Jährige saß im Jahr 1997 als kleines Kommunionkind in der Kirchenbank und hatte Gefallen gefunden am Amt des Ministranten. Sie ist dabei geblieben und will es auch noch ein paar Jahre bleiben. Mittlerweile ist Anne-Christine 17 Jahre alt und sitzt oft sonntags nicht mehr in der Kirche, sondern ist vorne in der Kirche aktiv - als Messdienerin.

Mühsam sei es manchmal schon, sich aus der Bettdecke zu schälen, wo doch eigentlich mal am Sonntag mal Ausschlafen angesagt wäre. Erst recht, seitdem in St. Cyriakus die Sonntagsmesse schon früher beginnt. Doch Anne-Christine, die am Marienberg in Neuss im kommenden Jahr ihr Abi macht, nimmt es gerne in Kauf. Seit nunmehr acht Jahren dient sie, seit zwei Jahren auch als Gruppenleiterin - beides mit ganzer Leidenschaft.

 
INFO

Berühmte Messdiener

Zahlreiche Promis waren früher als Messdiener aktiv. Eine Auswahl: Christoph Metzelder, Miroslav Klose, Sebastian Kehl (Fußballspieler), Thomas Gottschalk, Jürgen von der Lippe, Alfred Biolek, Harald Schmidt, Stefan Raab, Günther Jauch (Fernsehmoderatoren) Klaus Augenthaler (Fußball-Trainer), Christoph Schlingensief (Regisseur), Joschka Fischer, Ute Vogt, Franz Müntefering, Norbert Blüm (Politiker).

Diese Aufgabe teilt sie mit vielen anderen Jugendlichen im Rhein-Kreis. Das Amt des Messdieners boomt und erfährt nicht zuletzt durch den Weltjugendtag in Köln einen ganz besonderen Aufschwung. „Beim Weltjugendtag haben wir gesehen, wie andere Nationen offen ihren Glauben leben.“ Diese Offenheit versucht auch Anne-Christine in ihrem Alltag umzusetzen.

„Was, Du bist ein Messdiener?“ Blöde Sprüche bekomme sie schon manchmal zu hören. Dennoch hält die Grimlinghauserin ihren Glauben nicht hinter dem Berg. Das teilt sie mit einer Vielzahl von anderen Ministranten im Ort: 80 von ihnen gibt es derzeit in St. Cyriakus. Rund 10 Messdiener verlassen pro Jahr die Runde. Aber: 15 bis 20 kämen pro Jahr dazu, schätzt die Gruppenleiterin. Eine einfache Rechnung also.

Die Zahl der „Minis“ (so nennen sich die Ministranten in Grimlinghausen) steigt Jahr für Jahr. Einmal pro Jahr fahren die Messdiener ins Sommerlager. Dies mache gerade für die Jüngeren den Reiz aus. Die Fahrt mit der Gemeinschaft, zum ersten Mal ohne Mama und Papa. „Danach bleiben viele der Kinder bei uns.“ Die Messdiener in Grimlinghausen sind nicht nur zum Dienen da. Sie sind auch eine befreundete Gemeinschaft.

In einer Zeit, in der Gelder für Jugendarbeit überall gestrichen werden müssen, bedeutet die Aufgabe der 15 Gruppenleiter von St. Cyriakus folglich umso mehr eine verantwortungsvolle Aufgabe. Jede der acht Gruppen wird zu Zweit betreut. Nach einem halben Jahr Vorbereitung traten die kleinen Messdiener im November zum ersten Mal ihren Dienst am Altar an.

„Da war ich nervöser als alle zusammen“, sagt Anne-Christine. Einmal pro Woche trifft sie sich mit den Kleinsten, immer Freitags: „Wir unternehmen viele Spiele. Das gehört einfach dazu.“ Einmal pro Monat allerdings müsse geübt werden. „Ansonsten vergisst man das zu schnell.“ Viele Aufgaben warten in der Kirche. Das Tragen des Kreuzes, von Wasser und Wein zum Altar, die Jüngeren stehen am „Leuchter“.

Neben den fest für die Sonntage eingeteilten Dienern können die Messdiener einfach in die Sakristei kommen, wenn sie Sonntags Lust aufs „Dienen“ verspüren. Nach oben gibt es keine Grenzen, Kerzen sind zu Genüge vorhanden: „Manchmal sind wir vier, manchmal 15.“